K21 Kunstsammlung im Ständehaus

Sammlung 2005

02 Jul 2005 - 18 Sep 2007

Reinhard Mucha, Das Deutschlandgerät, 1990, Biennale di Venezia, Deutscher Pavillon. Foto: Heiner Wessel, Berlin
Nachdem die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in der Zeit vor und während des Aufbaus ihres neuen Museums für Gegenwartskunst bereits eine Reihe wichtiger Arbeiten von KünstlerInnen wie Marcel Broodthaers, Nam June Paik, Imi Knoebel, Katharina Sieverding, Dan Graham, Sherry Levine, Jeff Wall, Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff, Thomas Struth, Thomas Schütte, Eija-Liisa Ahtila und anderen erwerben konnte, ist der Bestand im Sommer 2004 durch den Erwerb der Sammlung Ackermans wesentlich erweitert worden. Diese Sammlung fügt sich inhaltlich besonders gut in das Bestehende ein und ergänzt es in herausragender Weise. So bietet die neue Präsentation einen breiten Überblick über die Kunst seit etwa 1980 und zeigt nicht zuletzt, wie eng die im Rheinland entstandene Kunst mit der internationalen Entwicklung verbunden ist. Auf den fünf Ebenen des Hauses werden mehr als 100 Arbeiten von 50 Künstlern und Künstlerinnen gezeigt.

Einer der Schwerpunkte der neuen Sammlungspräsentation sind dreidimensionale Arbeiten oder besser: Arbeiten im Raum. Den historischen Grundstock bilden Werke seit den sechziger Jahren von Künstlern wie Jannis Kounellis, Mario Merz, Michelangelo Pistoletto und Marcel Broodthaers. Mit ihren Arbeiten aus den achtziger und neunziger Jahren gehören Katharina Fritsch, Robert Gober, Paul McCarthy, Reinhard Mucha, Juan Muñoz und Thomas Schütte zu den Eckpfeilern der Sammlung. Von den meisten dieser KünstlerInnen werden mehrere Arbeiten beziehungsweise Raumensembles gezeigt. Im Mittelpunkt der Kunstsammlung im Ständehaus steht nach wie vor die große, raumgreifende Skulptur „Das Deutschlandgerät“, die 1990 von Reinhard Mucha für den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig geschaffen und anlässlich der Installation im Plenarsaal des ehemaligen Parlamentsgebäudes maßgeblich überarbeitet wurde.

Das Spektrum wird erweitert und ergänzt durch bildhauerische Positionen
zwischen Figuration und Objektkunst. Das demonstrieren etwa die Ziegelsteinbilder von Georg Herold, die Möbelplastiken von Franz West, die figürlichen Holzskulpturen von Paloma Varga Weisz oder das Krieg und Gewalt anprangernde Modellhaus von Thomas Hirschhorn.

Einen weiteren Schwerpunkt der neuen Sammlung bilden die Arbeiten der Fotound Videokunst. Drei Leuchtkastenbilder von Jeff Wall belegen die Bedeutung des kanadischen Künstlers für eine Fortsetzung der Malerei mit anderen Mitteln. Daneben steht das fotografische Werk von Bernd und Hilla Becher. Die ebenfalls aus Düsseldorf stammenden KünstlerInnen Andreas Gursky, Katharina Sieverding, Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth sind mit jeweils mehreren fotografischen Arbeiten breit vertreten. Mit ihren Bildern ist die Fotografie als Kunst nicht nur in Deutschland endgültig etabliert worden. In eine Übergangszone zwischen statischem und bewegtem Bild führt die romantisch-ironische Diaprojektion „Ohne Titel (Projektion Herbst)“ von Peter Fischli und David Weiss.

Eine Auswahl teilweise großräumiger Video-Installationen wird im Untergeschoss präsentiert und ist bis zum 18. September 2005 zu sehen. „Talo/The House“ von Eija-Liisa Ahtila führt in einer eindringlichen Text-Bild-Collage die wahnhaften Zustände einer Psychotikerin vor, während der Filmloop „Phonokinetoscope“ von Rodney Graham einen tagtraumähnlichen Tripp zur Bewusstseinserweiterung unternimmt. Artikuliert sich bei Tony Oursler das duplizierte Selbst in einem verwirrenden Sound-Cluster, erfährt die im islamischen Tschador durch Istanbul laufende Shirin Neshat die Grenzen geschlechtlich definierter Räume. Steve McQueens Video-Installation „Carib’s Leap/Western Deep“ zeigt mit den Aufnahmen südafrikanischer Minenarbeiter und karibischer Dorfbewohner die Realität menschlicher Existenz als Abgrund zwischen Himmel, Erde und Hölle.

Anlässlich der Neupräsentation der Sammlung erscheint ein Bestandskatalog im DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln, der die Werke ausführlich in Bild und Text vorstellt:

Sammlung. Kunst der Gegenwart in K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Eine Publikation der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf (herausgegeben von Julian Heynen und Valeria Liebermann), mit Texten von Julian Heynen, Stefanie Jansen, Stefanie Kreuzer, Anette Kruszynski, Doris Krystof, Valeria Liebermann, Maria Müller, Pia Müller-Tamm, Peter Schüller, Reinhard Spieler und Armin Zweite.


 

Tags: Eija-Liisa Ahtila, Marcel Broodthaers, Katharina Fritsch, Robert Gober, Rodney Graham, Dan Graham, Andreas Gursky, Georg Herold, Julian Heynen, Thomas Hirschhorn, Candida Höfer, Imi Knoebel, Jannis Kounellis, Stefanie Kreuzer, Doris Krystof, Paul McCarthy, Mario Merz, Reinhard Mucha, Juan Muñoz, Shirin Neshat, Tony Oursler, Nam June Paik, M. Pistoletto, Michelangelo Pistoletto, Thomas Ruff, Thomas Schütte, Katharina Sieverding, Reinhard Spieler, Thomas Struth, Jeff Wall, Paloma Varga Weisz, Franz West