NRW-Forum

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(Tat)Orte

01 Jun - 06 Aug 2006

(Tat)Orte
01.06.2006 - 06.08.2006

Fotografien von Weegee, Arnold Odermatt, Enrique Metinides und aus dem LA Police Archive im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf.

Die schrecklichsten Tatort-Fotos sind möglicherweise die jüngsten: Überlebende der Terroranschläge in Londons Untergrund-Bahn schickten Handyfotos vom Tatort and die BBC. Nur Minuten nachdem Terroristen im Sommer 2005 Rucksackbomben gezündet hatten nahmen sie die Bilder mit ihren Handys auf und sandten Sie als E-mail an den Sender.

Tatort-Fotos sind Fotos, die sich in das kollektive Bildergedächtnis der Welt einbrennen. Sie werden zu Ikonen für Desaster, Versagen, Ohnmacht. Was aber macht einen »Ort« zum »Tatort«? Ist es die Musik vom »dritten Mann«, der Trailer des Straßenfegers »Durbridge«, der Jingle der ARD-Serie »Tatort« -oder ist es ganz einfach so, wie Walter Benjamin sagt, daß »jeder Fleck unserer Städte ein Tatort ist, jeder ihrer Passanten ein Täter«.

Die Ausstellung im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft zeigt mit hunderten Fotografien von 3 weltberühmten Fotografen und einem Polizei-Archiv unterschiedliche Ansätze, mit dem alltäglichen Schrecken umzughen.

Weegee, der sich „the famous“ nannte und eigentlich Arthur Fellig hieß, zeigt in seinen Reportagefotos aus den späten 30er Jahren das Amerika von unten, das der Verlierer und Underdogs. Er war der ungekrönte König des nächtlichen New York. Weegee wurde zum unübertroffenen Chronisten dieser schonungslos brodelnden Stadt – und dabei wurden seine Fotos zu einer Liebeserklärung an New York.

Der Polizeifotograf Arnold Odermatt hatte seinen Dienstauftrag, Unfälle zu fotografieren, mit grosser Genauigkeit und viel Sinn für das Bildhafte ausgeführt: Zwei Typen von Fotografien prägen seine »Karambolagen«: Landschaftsfotografien und fotografierte Skulpturen. Er fotografierte Unfälle und es entstand Kunst.

Bilder von Katastrophen faszinieren den Menschen, und von denen, die sie fotografieren, ist der Mexikaner Enrique Metinides einer der Faszinierendsten. Er sah Menschen erstochen, verbrannt und elektrokutiert am Strommast hängen. Seine Fotos sind eine Enzyklopädie der Art und Weise, wie Menschen zu Schaden kommen können. Zurzeit verhandelt das New Yorker Museum of Modern Art über den Ankauf von Metinides-Bildern.

Die Bilder aus dem Los Angeles Police Archive sind die klassischen Tatort-Fotos. Präzise. Unaufgeregt. Und doch erinnern sie heute eher an den Film Noir als an die schrecklichen Taten, die sie dokumentieren.

Die Ausstellung mit ihren 4 eindrücklichen Abteilungen (jede für sich eine in sich geschlossene hochkarätige Ausstellung) thematisiert das Verhältnis von Tod und Fotografie (das von Beginn an der Fotografie anhaftet), von Bild und Wahrnehmung, von der Wirkung des Kontextes und der Medien auf die Rezeption schrecklicher Bilder. Die dramatischen Bilder von Abu Ghraib wie auch der Karrikaturenstreit und seine globalen Folgen führen uns drastisch vor Augen, was Bilder vom Tod und was die Kontextverschiebung von Bildern heute bedeuten.

Bild:
Einschußlöcher in einem Fenster des Autos, in dem jemand ermordet worden war.
ca. 1950
Archiv des Los Angeles Police Department:, LAPD, City of Los Angeles Police Department(c) City of Los Angeles
 

Tags: Enrique Metinides, Arnold Odermatt

 
 
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