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Video II: Allegorie

17 Sep 2005 - 15 Jan 2006

Video II: Allegorie


Für Nike kicken Engel gegen Teufel, für Goodyear tummeln sich die Gewalten, für Madonna wird das Brautkleid zum Brennenden Dornbusch ... und in Tarsems Video für die Gruppe REM zum Song »Losing my religion« wird eine vielschichtige Allegorie-Verwendung deutlich, die die konventionelle allegorische Deutung von Engeln und Märtyrern aus dem religiösen Kanon in Subkontexte verschiebt.

Als »Wiedergänger« gar bezeichnet Silke Walther, Autorin im Katalog zu dieser Ausstellung die Allegorie. In den letzten beiden Jahrhunderten hatte sich die Spur des Allegorischen in der Bildenden Kunst verloren. Erst für die Postmoderne formulieren Kritiker, daß die Bildende Kunst in ihrem Verhältnis zur Medienkultur sich wieder der Allegorie bedient.

Sam Taylor-Wood oder Bill Viola kreieren moderne Adaptionen klassischer Allegorien und Künstler wie Matthew Barney schaffen eigenständige, neue allegorische Kunstwerke. Hinter allem aber scheint ein neuer Topos auf: der der Medien-Allegorie; eine von den Medien gestützte Erzählung. Etwa in der »Doppelganger Trilogy« von Slater Bradley, der sich explizit mit Möglichkeiten der mehrdeutigen Lesart und »Prominenten« wie Michael Jackson oder Kurt Cobain als allegorischem Bild auseinandersetzt.

Sam Taylor-Wood etwa richtet in »David« ihr Augenmerk auf eine Verwebung von Prominentenbiographie (David Beckham) mit der fiktionalen Persönlichkeit (mit Narziß, Endymion, etc.).

Die Ausstellung versammelt herausragende Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern wie Matthew Barney, Slater Bradley, Alexander Braun, Endymion, Sophie Calle, Jake und Dinos Chapman, Tracey Emin, Mona Hatoum, Paul McCarthy und Mike Kelly, Paul Pfeiffer, Santiago Sierra, Tarsem, Sam Taylor-Wood, Bill Viola, David Zink Yi sowie Arbeiten aus dem legendären SHOWstudio des britischen Fotografen Nick Knight.

Der Begriff »Allegorie«, aus den griechischen Wortstämmen „allos“ (anders) und „agoreúein“ (in der Öffentlichkeit sagen) gebildet, bedeutet wörtlich »Anderssagen«. In schriftlichen Texten ist die Allegorie eine »andere« Bedeutungsschicht, die parallel zur wörtlichen Bedeutung existiert. In der Bildhauerei und Malerei gilt die allegorische Bedeutung als zusätzliches Element zu den formalen Eigenschaften eines Werks. Sie lädt den Betrachter ein, eine Interpretation in das Werk hinein zu lesen, die den Intentionen des Künstlers entspricht oder auch nicht.

In der „Moderne“ als überflüßiger Zierrat abgelehnt, wird die Allegorie jetzt wieder unter Berufung auf Walter Benjamin rehabilitiert. Die Allegorie ist ein Instrument die herrschende Kultur durch Kunst zu kritisieren. In der zeitgenössischen Video- und Filmkunst wird sie vielfach eingesetzt zur Suche nach unterschwelligen Botschaften in Medienbildern.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der dem Bedeutungswandel der Allegorie in der Kulturgeschichte wie den zeitgenössischen Erscheinungsformen mit Texten von Silke Walther und Jennifer Blessing nachgeht.


Video II: Allegorie
17.09.2005 - 15.01.2006

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Tags: Matthew Barney, Slater Bradley, Sophie Calle, Tracey Emin, Mona Hatoum, Paul McCarthy, Paul Pfeiffer, Santiago Sierra, Al Taylor, Sam Taylor-Wood, Bill Viola, David Zink Yi