Eva Winkeler

Claus Richter - Solid Golden Age (and Promises)

24 Jan - 28 Feb 2009

Installation view Claus Richter
Installation view Claus Richter
Installation view Claus Richter
Installation view Claus Richter
Installation view Claus Richter
Solid Golden Age and Promises 1
Solid Golden Age and Promises 2
Solid Golden Age and Promises 3
Solid Golden Age and Promises 4
Solid Golden Age and Promises 5
In seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Eva Winkeler wirbt Claus Richter auf großformatigen goldglänzenden Texttafeln für geradezu unglaubliche Attraktionen.
Horden wilder Pferde, bezaubernde Ponies oder erstaunliche Verwandlungsszenen werden dort angekündigt und streiten sich mit magischen Leitern, exotischen Tänzern und verzauberten Landschaften um die Gunst des Publikums.
Claus Richters Arbeitsfeld ist die flüchtige Welt der Unterhaltung, der unerreichbaren Verheissungen von Kulissen, Kostümen und blinkenden Lichtern.
In raumgreifenden Installationen re-inszeniert er aus einfachen Materialien die multimillionen Dollar teuren Kunstwelten, mit denen Hollywood und Themenparks wie Disneyland den Wunsch nach einer anderen, magischen Welt immer aufwändiger und immersiver illustrieren.
Richter bedient sich dabei den Arbeitstechniken von Fans, die Objekte und Kulissen ihrer Lieblingsfilme nachbauen oder ganze Miniatur-Themenparks in Garagen und auf Brachflächen errichten, und in diesen Re-Materialisierungen der kommerziellen Entertainmentindustrie neue und eigene Geschichten erzählen.
In den vergangenen Jahren schuf Richter so von einer 300 Meter langen Achterbahn aus Schaumstoff über eine funktionstüchtige Geisterbahn bis hin zu einem kompletten Themenpark in den Rängen der Messe Frankfurt (in Zusammenarbeit mit Tobias Rehberger) nach und nach ein eigenes mit Verlockungen und Fluchtangeboten geradzu überbordendes Vokabular.
Der Wunsch nach Transzendenz, nach einer Welt, die „Larger than Life“, unalltäglich und ständig überraschend ist bildet die Grundlage für Richters Auseinandersetzung mit der Welt des Showbusiness, die genau diese Transzendenz scheinbar stetig lebt.

„Solid Golden Age“ ist ein bewußt übersteigerter Kniefall vor der mit Übertreibungen und Verheissungen nur so strotzenden Werbung, die im 19. Jahrhundert die Massen in die Circusarenen und Vergnügungsparks lockte.
Die golden und silbern reflektierenden Poster der Ausstellung sind Neuarrangements historischer Werbeplakate, jede der noch so absurd wirkendenden Attraktionen wurde tatsächlich vor knapp 100 Jahren in genau diesem Wortlaut beworben. Und so scheint es, daß die wortgewaltigen Ankündigungen, und die Bilder die sie beim Leser erzeugen die eigentlichen Attraktionen sind.
Die überlebensgrossen Poster von „Solid Golden Age“ sind Verheissung in Reinform. Sie benötigen keine Erfüllung ihrer Ankündigung, keine echten Pferde, Feen oder Magier, sie sind die Attraktion, vergoldete Artefakte ewiger Vorfreude.
Ein Absperrungssystem, so wie es bei großen Vergnügungsparks die erwartungvollen Menschenschlangen strukturiert, durchzieht zudem die Galerie und impliziert das freudige, nervöse Warten auf des besondere Erlebnis, auf die grosse Show, die rasende Achterbahn, auf den Ausbruch aus dem Alltag.
Geschätzte Wartezeit :Ungewiss. Und auch die Attraktion ist nicht betitelt. Aber sie ist auf jeden Fall das Warten wert. Versprochen!

 

Tags: Tobias Rehberger, Claus Richter