Grita Insam

Ruth Schnell

04 Feb - 19 Mar 2011

© Ruth Schnell
RUTH SCHNELL
Mirrors of the Unseen
4 February - 19 March, 2011

Die Schnittstellen, die sich im Aufeinandertreffen von Realraum und virtuellem Raum ergeben, deren Dynamisierung sowie eine Untersuchung der diversen Wirklichkeiten visueller Wahrnehmung sind zentrale Themen im Werk von Ruth Schnell. Die Medienkünstlerin lehrt als Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien, 2008 wurde sie mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Video- und Medienkunst ausgezeichnet.

Inhaltliche Klammer der nun erstmals in der Galerie Grita Insam gezeigten und in Vorbereitung der Ausstellung konzipierten neuen Arbeiten sind Fragen der Übersetzbarkeit, der Interpretation und Dekodierung von Information: Im Fokus der künstlerischen Untersuchung stehen hierbei das technische Bild, und – in einer zweiten präsentierten Reihe von Arbeiten – verschiedene verbale wie non-verbalen Verständigungssysteme.

Bilder – technisch generierte Bilder wie auch künstlerische Interpretationen – sind Hypothesen über das Sichtbare. Hier wie dort macht erst die Fähigkeit des Betrachters, das Gesehene mit dem eigenen Wissen, der eigenen Empfindung zu verschalten, das Bild lesbar. Die Aluminium-Tableaus im Hauptraum der Galerie präsentieren einen Blick gleichsam in den Körper hinein. Die den per UV-Druck auf die Platten aufgebrachten Motiven zugrunde liegenden technischen Bilder zeigen „Strukturen des Lebens“. Es handelt sich um mikroskopische, im medizinischen Bereich verwendete Aufnahmen, die ihrerseits wiederum auf unterschiedlichen technischen Verfahren, abbildenden wie rasternden, basieren. Durch Skalierungen, Bildbearbeitung und Neuanordnung erschließen sich neue, ästhetische Interpretationsfelder. Die Bemaßung der Tableaus mit zwei mal ein Meter, orientiert etwa an der Größe eines Spiegels, umfasst die Figur des Betrachters und verweist zurück in die Wirklichkeit des Sichtbaren.

Die Lichtobjekte im zweiten Teil der Ausstellung sind technisch eine maßgebliche Weiterentwicklung der seit 2003 entstandenen Lichtbilder. In lackierte Edelstahlgehäuse eingelassene LED-Leuchtstäbe mit jeweils 64 superhellen Leuchtdioden wirken zunächst als vertikale, flimmernde Leuchtelemente im Raum. Für den Betrachter in Bewegung entfalten sich – und zwar dann, wenn sein Blick absichtslos über einen Leuchtstab schweift – aus den Stäben einzelne Buchstaben, Wörter und zeichenhafte Icons: transluzente (Schrift-)Bilder, die wie Hologramme für kurze Zeit vor dem räumlichen Umfeld zu schweben scheinen. Die zugrunde liegende Technik nutzt die Trägheit der menschlichen Wahrnehmung: Die Buchstaben und Icons sind Interpretationen von Nachbildern auf der Netzhaut, die Wahrnehmung ist individuell und betrachterabhängig – die Wörter und Bilder sind ausschließlich virtuell im Raum vorhanden, sie „entstehen im Kopf“.

Ab wann sind Begriffe erkennbar und können in das eigene sprachliche System eingeordnet werden? Welche bedeutungsgleichen Erscheinungsformen hat Sprache? Die Objekte MotU #1 bis #3 präsentieren onomatopoetische Geschichten, bilden exemplarisch begriffliche Referenzsysteme. Das Gewebe aus Licht-Wörtern wird ergänzt durch ebenfalls über die Leuchtstäbe dargestellte Icons, also Bildbotschaften, die die polylogischen Bezugssysteme der Wörter aufnehmen, sie spiegeln oder durchbrechen.
Patricia Köstring
 

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