Kunsthalle Lingen

Isolated Truth

06 Mar - 30 May 2010

Exhibition view
ISOLATED TRUTH
Lone Haugaard Madsen, Albert Mertz, Lasse Schmidt Hansen

6. März bis 30. Mai 2010
Eröffnung am Freitag, 5. März 2010 um 19 Uhr

Bereits in den 1960er Jahren begann Albert Mertz (geb. 1920 in Kopenhagen, gest. 1990 in Slagelse) seine Malerei auf die Grundfarben Blau und Rot zu reduzieren. Neben Collagen, in denen er auf die amerikanische Pop Art reagierte, schuf er bis in die 1980er Jahre Bilder und raumbestimmende Objekte, die durch ihre minimale farbige Präsenz beeindrucken. „There is no such thing as isolated truth“ (Es gibt keine isolierte Wahrheit) – entsprechend dieser Aussage des französischen Künstlers Jean Francois Millet stellt sich Albert Mertz nach einem längeren Aufenthalt in Paris die Frage nach der Essenz der Kunst in einer Welt nach den Erfahrungen des Kriegs und der Atombombe. Er bleibt dem Medium der Malerei treu, setzt er gegen Ende der 1960er Jahre die Farben Blau und Rot monochrom flächig nebeneinander auf die Leinwand. Ein avantgardistischer Schritt auf der Höhe der Zeit, denn die Kunstrichtungen Minimal und Concept Art waren international tonangebend. Während aber die Vertreter der Minimal Art sich an die Industrie wandten und geometrische Körper aus Stahl oder Aluminium fertigen ließen, die dann im Ausstellungsraum platziert wurden, charakterisiert die Arbeit von Albert Mertz nach wie vor, dass er mit der Hand arbeitet, so dass sie eine Natürlichkeit und - gegenüber den kühlen Körpern von Donald Judd oder auch Sol LeWitt - Wärme haptische Präsenz besitzen.

Die Objekte der Künstlerin Lone Haugaard Madsen geb. 1974 in Silkeborg, lebt in Wien) entstehen eigens für die Ausstellung in der Kunsthalle Lingen. Als Material dienen sowohl vor Ort gefundene Elemente (Gipsplatten, Drähte, Holzstücke etc.), Geschenke von Freunden, auf dem Sperrmüll entdeckte Sachen, als auch Stücke, die aus ihrem Atelier in Wien
nach Lingen transportiert wurden. Aus einem längeren Entstehungsprozess heraus entstehen dreidimensionale Arbeiten, die einer eigenen ästhetischen Sprache folgen. Jeweils betitelt mit „Raum # ...“ können Lone Haugaard Madsens Objekte als jeweils autonome und in sich abgeschlossene künstlerische Manifestationen von Räumen gelesen werden. Somit wird Raum als Größe vermittelt, die sich wandelbar, situationsabhängig und zeitbedingt gestaltet.

Lasse Schmidt Hansens (geb. 1978 in Albertslund, lebt in Berlin) künstlerische Arbeit basiert auf Verschiebung und Nicht-Zufälligkeiten zwischen Ort, Bild und der körperlichen Präsenz der Betrachtenden. Seine Objekte stellen humorvoll bürokratische Systeme und Normen auf den Kopf. Geltende Maßstäbe von Proportionen wie Din-Normen und Iso Standards bilden den Hintergrund für seine feinen Arbeiten und er begegnet standardisierten Größen über kleine Ausrutscher oder durch bewusste Imperfektion. „Ohne Titel“ besteht aus einer Serie rahmenloser Bildhalter, die nach den Abmessungen von aus der Hand gezeichneten Quadraten gefertigt wurden und in einer unregelmäßigen Linie an der Wand lehnen. Insofern wird nicht nur das feste System des Artikels rahmenlose Bildhalter unterlaufen, sondern hierüber hinaus erfährt die Idee des Handgemachten eine neue Bedeutung.


In einer gemeinsamen Präsentation der Arbeiten von Lone Haugaard Madsen, Albert Mertz und Lasse Schmidt Hansen können trotz formaler Unterschiede inhaltliche Gemeinsamkeiten ausgemacht werden. Lone Haugaard Madsen thematisiert die Kontextabhängigkeit für Situationen und Objekte, ähnlich wie Albert Mertz in seinen raumbezogenen Wandmalereien. Seine konzeptuelle Wendung zu den Farben Rot und Blau schafft in Korrespondenz mit der Leinwand oder Objekten leiblich erfahrbare Werke. Lasse Schmidt Hansen Arbeiten betonen Aspekte wie Fehler, Zufälle und das Moment der freien Improvisation als Gegenmittel zu einer rational gelenkten Welt. Die präsentierten Werke aller drei Künstlerinnen und Künstler können sowohl im Zusammenhang mit dem Ansatz des jeweils anderen betrachtet werden - allen gemeinsam ist, dass sie von den 1960er Jahren bis heute die Gültigkeit der Vermittlung „isolierter Wahrheiten“ hinterfragen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Die Ausstellung „Isolated Truth. Lone Haugaard Madsen, Albert Mertz, Lasse Schmidt Hansen“
wird gefördert durch die Sparkasse Emsland und die Niedersächsische Sparkassenstiftung. Weitere Förderung erfolgt durch The Danish Arts Council Committee for International Visual Art.

Das Ausstellungsprogramm der Kunsthalle Lingen wird unterstützt vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Stadt Lingen (Ems) und dem Landkreis Emsland. Weitere Unterstützung erfolgt durch die Kulturstiftung Heinrich Kampmann. Allen gilt der herzliche Dank des Kunstvereins Lingen Kunsthalle.
 

Tags: Al Hansen, Lasse Schmidt Hansen, Donald Judd, Sol LeWitt, Lone Haugaard Madsen, Albert Mertz