Produzentengalerie

Felix Droese, Bogomir Ecker, Astrid Klein

27 Mar - 23 May 2015

Installationsansicht Produzentengalerie Hamburg, 2015
Foto: Peter Sander
FELIX DROESE, BOGOMIR ECKER, ASTRID KLEIN
27 March – 23 May 2015

Parallel zur laufenden Ausstellung des Kunsthauses Hamburg präsentiert die Produzentengalerie Hamburg eine thematische Gruppenausstellung von Werken der drei Künstlerinnen und Künstler, Felix Droese, Bogomir Ecker und Astrid Klein, die vor über 30 Jahren Teil des Projekts »Objekt, Skulptur und Installation – Halle 6« waren.

1982 organisierte und konzipierte u. a. die Produzentengalerie Hamburg in der damals leerstehenden Kampnagel-Fabrik die viel beachtete Ausstellung »Objekt, Skulptur und Installation - Halle 6«, auf der auch Joseph Beuys mit einer Performance für sein documenta-Projekt 7000 Eichen warb. Die Ausstellung bewirkte die Aufhebung des geplanten Abrisses der Fabrik, die anschließend zur internationalen Spielstätte für darstellende Künste und Kultur avancierte.
Ein Jahr später fand beispielsweise ein Performance-Festival u. a. mit Jack Smith statt.

Das Kunsthaus Hamburg lenkt ab dem 11. April 2015 mit der Ausstellung »Passagen« die Aufmerksamkeit auf Kunst im öffentlichen Raum in Hamburg seit 1981 und wirft somit ebenfalls den Blick zurück auf die Halle 6: Raumbezogene Arbeiten von 28 nationalen und internationalen Bildhauern zweier Generationen wurden damals in der leerstehenden Industriehalle der Kampnagel Fabrik gegenübergestellt.
Die ältere Generation vertraten beispielsweise Carl Andre, Giovanni Anselmo, Sol LeWitt, Richard Long, Mario Merz, Bruce Naumann und Franz Erhard Walther, die jüngere Michael Bauch, Felix Droese, Bogomir Ecker, Astrid Klein, Klaus Kumrow und Thomas Schütte.

Der Ausstellungsraum wurde durch die Gestaltung der Künstler zu einem sozialen Raum, in dem Austausch und Impulsgebung ermöglicht wurden. Genau das passiert durch »Kunst im öffentlichen Raum« – sie ermöglicht den Zugang zu künstlerischer Produktion, sie eröffnet und fördert den Austausch zwischen Gesellschaft und Kunst. Der Begriff »Kunst im öffentlichen Raum« folgte auf die über viele Jahre praktizierte »Kunst am Bau«, deren enge Verknüpfung von Architektur und Skulptur lange programmatisch Kunst als appliziertes Beiwerk der Architektur wahrnahm. Eine früh angestrebte Zusammenarbeit von Architektur und Kunst war selten. Heute ist Kunst im öffentlichen Raum im Stadtbild präsent und umfasst eine breite Spannweite an Möglichkeiten.

Bogomir Ecker und Astrid Klein waren Teilnehmer der documenta 8. Felix Droese war 1982 mit einer raumgreifenden Arbeit an der documenta 7 beteiligt und vertrat 1988 die Bundesrepublik Deutschland auf der Biennale von Venedig.
Alle drei waren oder sind mit Werken im öffentlichen Raum der Hansestadt Hamburg vertreten.

In Felix Droeses (*1950) Werk spielen die Verantwortung und Moral gegenüber der Gesellschaft eine zentrale Rolle. Sein skulpturales Oeuvre nimmt im Gesamtzusammenhang seines Werks einen herausragenden Platz ein. Oft sind es Fundstücke, die mit minimaler Veränderung an besonderen Orten platziert, mit Bedeutung aufgeladen werden.
In seiner Beschäftigung mit existentiellen Fragen greift er auf eine traditionell geprägte religiöse Ikonografie sowie auf wissenschaftliche und theologische Diskurse zurück.
Er insistiert, dass die Arbeit des Künstlers im weitesten Sinne Formgebung sei und steht damit dem erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys nahe
: Droese thematisiert die Beziehung zwischen Kunst und Leben und untersucht die aus diesen großen Themen erwachsenden Fragen in seinem Schaffen. In dieser Hinsicht ist auch der Begriff der »sozialen Plastik«, die er auf seine ganz eigene Weise künstlerisch umsetzt für ihn von Bedeutung.

Für Bogomir Ecker (*1950) sind Phänomene in Kommunikation und Technik wichtige Impulsgeber für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Seine naturwissenschaftliche Betrachtungsweise der Welt fließt in seine kontextbezogenen Installationen und skulpturalen Arbeiten im öffentlichen Raum deutlich mit ein.
Wie seine bekannte Arbeit Tropfsteinmaschine, die Teil der Sammlung der Hamburger Kunsthalle ist, haben seine Werke oft einen technischen oder apparativen Charakter.
Seine Konzentration auf Kommunikation bewegt sich vom technischen auch häufig in den physischen Bereich und schließt somit Sinneswahrnehmungen wie das Sehen und das Hören mit ein.

Astrid Klein (*1951) etablierte als erste Künstlerin großformatige Fotografien als Bestandteil von Installationen und auch als selbständige Kunstwerke. Seit 1985 entstanden auch drei- und vierbahnige Fotos. Waren es zuvor manuell gefertigte Collagen, die fotografiert wurden, werden nun Negative übereinander gelegt, chemisch in ihrer Struktur verändert und belichtet. Der fragmentarisch in ihren Fotografien integrierte Text lässt Einblicke in ihre Gedanken über Literatur und Ästhetik zu. Ihre Collagen, Fotografien und Installationen dekonstruieren und erneuern die Beziehung zwischen Text und Bild. Astrid Kleins Fotoarbeiten wirken in ihrer Thematik und Erscheinung komplex und hermetisch. Oft wurden die Fotoarbeiten in ihrer Tiefe, Schwärze und Komposition als Metapher gesellschaftlicher Befindlichkeit gedeutet. Ihr Werk »Hoffnung« aus dem Jahr 1987 ist eine zentrale Arbeit aus dieser Zeit. Es ist eine dreibahnige Großfotoarbeit und besitzt eine fast prophetisch zu nennende Wertigkeit im Gesamtzusammenhang ihres Werkes.
 

Tags: Carl Andre, Giovanni Anselmo, Michael Bauch, Joseph Beuys, Felix Droese, Bogomir Ecker, Astrid Klein, Sol LeWitt, Richard Long, Mario Merz, Thomas Schütte, Franz Erhard Walther