Charim

Edgar Honetschläger

15 Nov 2011 - 21 Jan 2012

© Edgar Honetschläger
filmstill aus framboise frivol, 2011
EDGAR HONETSCHLÄGER
Framboise Frivol
15 .11 - 21.01.2012

Seine jüngste Ausstellung in der Charim Galerie trägt den Titel "Framboise frivol" und knüpft inhaltlich an seinen im Mai dieses Jahres im Wiener Gartenbaukino vorgestellten Spielfilm "AUN – der Anfang und das Ende aller Dinge" an. Der Künstler widmet sich – wie dem begleitenden Zitat des Soziologen Norbert Elias zu entnehmen ist – einem Thema, das ihn seitdem er in Japan lebt, also nunmehr 20 Jahre, beschäftigt: der Bedeutung des "Konzepts" Individualismus für die westliche wie die östliche Gesellschaft, der Missinterpretation des Begriffs und den Folgen des fundamentalen Missverstehens dieses die Welt einnehmenden kulturellen Phänomens. Zwei für diesen Anlass geschaffene Kurzfilme mit den Titeln: "Shirasagi no mai" [der Tanz der Kraniche] sowie "Wann werden wir uns erlauben um die Erde zu weinen" führen in eine Traumwelt, die auf ein an das Individualprinzip gekoppeltes weiteres Phänomen verweist - der Romantik. Beide Arbeiten schließen an Honetschläger's filmisches Tryptichon "colors" (massacio/the history of chocolate/in times of emergency) aus dem Jahre 2001 an. Die Bildsprache hat sich wesentlich verändert, immer näher rückt Honetschläger das fahrende Bild dem Gemälde.
Eine Serie von 2011 entstandenen Zeichnungen und großflächigen Bildern versuchen demselben Phänomen auf die den Medien entsprechende Weise näher zu rücken, indem sie auf die Unterschiede zwischen westlichen und östlichen Vorstellungen von Raum eingehen. Womit wir bei einem weiteren Thema wären, dem der Künstler seitgeraumer Zeit seine Aufmerksamkeit schenkt: der Bedeutung von zwei versus drei Dimensionen in der bildenden Kunst. Honetschläger betrachtet das Festhalten an der Illusion von drei Dimensionen auf zwei dimensionalem Hintergrund, die Erfindung der Zentralperspektive, als eines der Grundübel unserer kulturellen Entwicklung, des Selbstverständnisses und des politischen Denken des Westens und stellt dem das Verbleiben im Zweidimensionalen in der Kulturgeschichte des fernen Ostens gegenüber.
"Negative Space Paintings" nennt er die Bilder und meint damit, das erzeugen von Raum durch Weglassen und nicht durch hinzufügen d.h. während in der westlichen Malerei durch Zufügen Raum geschaffen wird, bleibt die Malerei im fernen Osten, unabhängig vom Sujet, zumindest für den westlichen Betrachter, abstrakter, indem sie Raum durch Weglassen erzeugt. So wie man gelernt haben muss, die dritte Dimension auf Bildern zu schauen, so muss man im Osten gelernt haben, sich bestimmte Dinge zu ergänzen, sich vorzustellen, um den gesamten Raum zu erfassen. Es bedarf eines anderen "in Beziehung Setzens", um den Raum wahrzunehmen, ihn "zu sehen".
"Negative Space" nennt sich auch die Performance, die am 19.11.2011, 19 Uhr in der Charim Galerie stattfinden wird, für die Honetschläger die beiden Komponisten Peter Ablinger und Simone Santi Gubini gebeten hat, kurze Stücke zu komponieren, welche am Flügel von den Konzertpianistinnen Maria Flavia Cerrato und Yukari Kojeder interpretiert werden. "Miro Marcus" und "Mit anderen Augen" heißen die beiden Arbeiten, die sich mit des Menschen Verantwortung für seinen Lebensraum beschäftigen. Der Titel der Performance bezieht sich auf die jüngsten Ereignisse in Japan, die die Welt schon zu vergessen haben scheint, obwohl das dramatische, schier unbewältigbare Ausmaß der nuklearen Katastrophe täglich offenbarer wird. Die Krise ist noch lange nicht zu Ende, sie wird über Generation andauern.
 

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