Johann König

Alicja Kwades

18 Feb - 17 Mar 2012

ALICJA KWADES
In Circles
18 February - 17 March, 2012

Johann König, Berlin freut sich, mit „In Circles“ eine der bislang umfangreichsten Installationen Alicja Kwades erstmals präsentieren zu können. Sie besteht aus zahlreichen Gegenständen, die auf rätselhafte Weise verändert scheinen, als ob eine übersinnliche Kraft auf sie eingewirkt hätte.

Wie fast alle Skulpturen und Installationen Kwades beruht „In Circles“ auf vorgefundenen Objekten. Die meisten Künstler, die Fundstücke sammeln und ausstellen, wollen damit die ästhetische Sphäre mehr oder weniger gewaltsam durchbrechen, der Kunst eine direkte Spur der Wirklichkeit einschreiben. Bei Alicja Kwade stellt der Einsatz von Fundstücken nur insofern eine Verbindung zur alltäglichen Realität her, als die Dinge sich im gleichen physischen Raum befinden wie die Betrachter. Ansonsten erscheinen sie wie Bestandteile eines neuen, rätselhaften Paralleluniversums. In diesem geschieht vieles, das in „unserer“ physikalischen Welt eigentlich nicht möglich ist. So verbiegen sich feste und harte Gegenstände, als ob sie weich oder flüssig wären. Solche „unmöglichen“ Skulpturen stellen nicht nur unsere gewohnte Auffassung der Dinge, sondern auch das klassisch moderne Diktum der Materialgerechtigkeit auf den Kopf.

Viele Objekte und Ensembles von Alicja Kwade muten wie eine Veranschaulichung wissenschaftlicher Theorien oder Gedankenspiele an: Phänomene oder Gesetze aus der Mikro- oder Makrowelt werden durch Vergleiche mit unserer alltäglichen Umgebung anschaulich gemacht. So ersann der englische Mathematiker Edwin A. Abbott um 1880 ein „Flatland“, um die jenseits der gewohnten räumlichen Vorstellungskraft liegende vierte Dimension auch wissenschaftlichen Laien näher zu bringen. Das „Flatland“ besteht aus nur zwei Dimensionen, so dass der „Horizont“ ihrer Bewohner an die flächenhafte Ausdehnung geheftet bleibt.

„In Circles“ könnte der Ausschnitt eines „Kreislandes“ sein. Alles ist hier auf Kreisbahnen angeordnet, die in gleichmäßigen Abständen um ein Zentrum herum führen. Fahrräder, Türen und Tore, Fenster, Eisengitter, Metallplatten oder ein 2-Euro-Stück stehen nicht nur auf den Kreisbahnen, sondern haben auch exakt die Krümmung angenommen, die sich aus der Entfernung der jeweilgen Bahn vom Mittelpunkt aus ergibt.

Man könnte sich auch bei „In Circles“ vorstellen, dass eine zentrifugale Kraft alle Dinge mitgeschleudert und in Umlaufbahnen gebracht hätte. Nur drehen sich diese nicht, sondern stehen fest auf dem Boden. Aber das ist, wie wir seit Kopernikus „wissen“, nur eine Illusion. Schließlich drehen wir uns ja, während wir die Installation durchwandern, mit der Erde um die Sonne. Wären wir uns dessen ständig bewusst, würden wir die Welt vielleicht immer so sehen, wie Alicja Kwade sie uns zeigt.

Text: Ludwig Seyfarth


Johann König, Berlin is pleased to present "In Circles", one of Alicja Kwade's most comprehensive installations which will be displayed in the gallery for the first time. The installation consists of various elements that seemingly change formation as if under the spell of supernatural powers.

Like the majority of her sculptures and installations, Kwade's "In Circles" is compiled of found objects. Often, artists that collect and exhibit found materials or artifacts want to forcefully break through an aesthetic sphere in which the work serves as the direct trace to reality. However, in Kwade's work, the found objects only connect to every-day life when being in the same physical space as the viewer. Otherwise, the elements in the pieces appear as part of a new, mysterious parallel universe, in which many things take place that aren't possible in our physical reality, like unpliable objects that are fixed and bent as though they were soft or liquid. Such "impossible" sculptures turn preconceived notions of familiar ideas on its head, including the classic paradigms of modern harmonic concordance of material in relation to form and function.

Many of Kwade's objects and installations seem to embrace scientific theories or musings: phenomena and laws of the micro- or macro-world can be exemplified by comparison with our everyday environment. For instance, one can think of the English mathematician Edwin A. Abbott, who, in 1880, invented a "Flatland" to illustrate the spatial imagination beyond the fourth dimension and to bring science closer to lay people. The 'Flatland' is only two-dimensional therefore the "horizon" remains a flat extended latitude.

"In Circles" might represent the neck of a "closed country" in which everything is arranged in circular paths leading into equally distant spaces around the center. Bicycles, doors, windows, iron gates and metal plates or a 2-Euro coin are not only limited to the circular orbits, but have exactly adopted the curvature, arising from the removal of the respective centralized path.

One could imagine that in "In Circles" a centrifugal force carried away all things into the orbits. However, they do not float and turn, but stand firmly on the ground, something of which we "know" since Copernicus, is only an illusion. While we walk through the installation, we walk with the earth around the sun. And if we were constantly aware of this, we would very likely see the world as is shown to us by Kwade.

Text: Ludwig Seyfarth
Translation: Judith Vrancken
 

Tags: Alicja Kwade, Ludwig Seyfarth