Karsten Greve

John Chamberlain

14 Sep - 14 Nov 2007

John Chamberlain, Rocket Ralph, 2005, painted and chromed steel, 190,5 x 66 x 55,9 cm
John Chamberlain, Bloodydrivetrain, 2007, painted and chromed steel, 99 x 144,8 x 116,8 cm
John Chamberlain, Ornaments of Melody, 2006, painted and chromed steel, 38,7 x 53,3 x 39,1 cm
Spielerisch aus gebogenen, gefalteten und verschweißten, in schillernden Farben lackierten Blechteilen zusammengefügt, entwickelt der amerikanische Künstler John Chamberlain seit den späten 1950er Jahren seine unverwechselbaren skulpturalen Kompositionen, die von kleinformatigen, fragilen Assemblagen bis hin zu großen, raumgreifenden Skulpturen reichen.

Die Galerie Karsten Greve in Köln, die den Künstler seit über 30 Jahren vertritt, widmet John Chamberlain vom 14. September bis zum 14. November 2007 eine umfangreiche Einzelausstellung, die neben Skulpturen und Fotografien aus unterschiedlichen Werkphasen insbesondere seine aktuellen plastischen Arbeiten fokussieren wird.

Chamberlain verwendet für seine Skulpturen als Ausgangsmaterial nahezu ausschließlich Stahlbleche, wie sie in der Autoindustrie verwandt wurden, die er in einem intuitiven Gestaltungsprozess formt. Hierbei steht nicht ein sozialkritisches Interesse am automobilen Zeitalter im Vordergrund, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung mit der Interaktion von Volumina, Form und Farbe. Durch Knittern, Einrollen, Stauchen, Komprimieren und Strecken der Metallteile und Blechstücke vervielfältigt er die Oberfläche des Materials und zerlegt es zugleich in möglichst viele Facetten.

In der aus den 1980er Jahren stammenden Werkgruppe Kisses experimentiert Chamberlain mit einem Blechfass, das durch zwei oder drei gezielte Stöße mit der Schrottpresse derart „in Form“ gebracht wird, dass das Volumen vermindert wird, während sich die Oberfläche „entfaltet, diversifiziert und in expressive Turbulenz gerät“. Seine neueren Skulpturen zeichnen sich durch eine offenere Struktur aus, die durch einen additiven Gestaltungsprozess mehrerer in Kontrast zueinander gestellter Einzelteile unterschiedlicher Form – wie bei Rocket Ralph, 2005 – erzielt wird. Die hieraus resultierende Vielschichtigkeit der Form im Gesamten und der durch z.B. Wölbung verschieden ausgeprägten Formen im Einzelnen wird zudem durch die Oberflächenstruktur und die Farbe sowie die ständige Veränderung der Farbwirkung durch Lichtreflexe unterstützt. Bunte Hochglanzpartien stehen, scheinbar dem Zufallsprinzip folgend, spannungsreich neben blanken reflektierenden Metallblechen und verwitterten originallackierten Karosserieteilen.

Mit ihrem gestischen Charakter und der Verwendung von Alltagsmaterialien in leuchtenden Farbvariationen oszillieren Chamberlains Skulpturen zwischen Abstraktem Expressionismus und Pop Art. 1927 in Rochester geboren, setzt er sich im Rahmen seines Studiums am Black Mountain College bereits Mitte der 1950er Jahre mit dem Abstakten Expressionismus auseinander und experimentiert bevorzugt mit vorgefundenen Gegenständen, bevor er 1957 in einem verbogenen Kotflügel eines alten Ford das ideale Material zur Verwirklichung seiner Ideen findet.

Bereits seit den frühen 1960er Jahren haben John Chamberlains Arbeiten Eingang in zahlreiche bedeutende Sammlungen gefunden. Im Jahre 1961 ist er auf der Biennale in São Paolo sowie 1964 auf der Biennale in Venedig vertreten, bevor ihm jeweils 1976 und 1986 Retrospektiven im Guggenheim Museum in New York und im Museum of Contemporary Art in Los Angeles gewidmet werden, gefolgt von bedeutenden Ausstellungen in der Kunsthalle Baden-Baden (1991) und im Stedelijk Museum Amsterdam (1996).

Am 16. April 2007 wurde John Chamberlain 80 Jahre alt. Er lebt und arbeitet in Sarasota, Florida und Shelter Islands Heights, New York.


Für weitere Informationen und Bildmaterial kontaktieren Sie uns bitte unter: galerie.greve@t-online.de
 

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