Kewenig

Ian Hamilton Finlay

08 May - 31 Jul 2009

Ian Hamilton Finlay
After Bernini (with Gary Hincks), 1987
Screenprint repro
70,8 x 45,5 cm / 27,9 x 17,9 in
IAN HAMILTON FINLAY
Das Grafische Werk

Ausstellung vom 8. Mai bis 31. Juli, 2009

Die Galeria Kewenig in Palma de Mallorca präsentiert eine Einzelausstellung des im 2006 verstorbenen schottischem Künstler Ian Hamilton Finlay der seit den 1960er Jahren ein umfassendes druckgrafisches Werk schuf und mit dem die Kewenig Galerie über viele Jahre eng zusammenarbeitete.

Die Ausstellung besteht aus 80 Grafiken, 2 Neonarbeiten, Banners und einem Wandrelief aus Holz. Seit 1999 wurde das Werk nicht in Spanien gezeigt (Joan Miró Stiftung, Barcelona) und es ist die erste Präsentation auf den Balearen.

Die Galeria Kewenig präsentiert einen beeindruckenden Überblick über die zahlreichen Spielformen, die Finlays Faszination für europäische Revolutionsgeschichte genauso deutlich machen wie seine Naturverbundenheit und seine profunden Kenntnisse abendländischer Kultur. Nur selten bleibt Finlays Poesie konkret in dem Sinne, da sie nur als ästhetisches Objekt steht. Finlay führt uns in ein Labyrinth aus Wortspielen, Zitaten und Neologismen, das selbst den belesensten Betrachter anspornt, seine Allgemeinbildung auf den Prüfstand zu stellen. Zunächst eröffnet Finlay Verweise auf scheinbar Bekanntes, leitet dann aber geschickt auf den eigenen künstlerischen Kosmos über, der angesichts seiner Vielseitigkeit nur in Teilen erschlossen werden kann.

Worte - seien es Zitate, Aphorismen oder Neuschöpfungen – werden in Finlays Grafiken isoliert oder an Motive gebunden präsentiert und durch Schriftart, Größe und Farbe grafisch aufbereitet. Sie wirken dadurch inhaltlich genauso wie ästhetisch. Auch Embleme, technische Zeichnungen und Monogramme tauchen auf.

Über Tausend Motive gab Finlay in Zusammenarbeit mit zahlreichen im Titel namentlich genannten Assistenten über die Jahre in Form von Karten, grafischen Drucken, Mappen und Booklets zumeist unsigniert und nicht nummeriert, doch in limitierter Auflage heraus. In knapp 40 Jahren Herausgeberschaft erschuf Finlay einen komplexen hermeneutischen Kosmos, in dem jede einzelne Arbeit den Betrachter mit Finlays zunächst antiquiert erscheinenden Anspruch nach einer geistigen Erhabenheit im Alltag konfrontiert.

Die frühen Grafiken ab 1963 lehnen sich in Schrift- und Farbgestaltung noch am stärksten an Werbeplakate an, maritime Motive treten gehäuft ab Mitte der 60er Jahre auf, die zu Beginn der 70er Jahre in eine militärische Flotte übergehen, begleitet auch von Panzern, Handfeuerwaffen und Kriegsflugzeugen. Der größte Werkkomplex umkreist das Thema der Französischen Revolution, ihren Vertretern, ihrem Verlauf und Gedankengut. Es steht in Zusammenhang mit Finlays Interesse an Philosophie, das seinem Gesamtwerk zugrunde liegt und das er durch die fast flugblattartig aufgelegte Massenproduktion seines grafischen Werkes wieder stärker in den alltäglichen Kontext bringen wollte, der ihm zu säkularisiert erschien.
 

Tags: Ian Hamilton Finlay, Joan Miró