Kunsthalle Bielefeld

Kiki Smith, Seton Smith, Tony Smith

23 - 25 Sep 2012

Tony Smith 1966, Photo: Rudy Burckhardt
KIKI SMITH, SETON SMITH, TONY SMITH: A FAMILY OF ARTISTS
23 September - 25 November 2012

Am 23. September 2012 jährt sich der 100. Geburtstag des amerikanischen Künstlers Tony Smith (1912-1980), der seine künstlerische Tätigkeit zwar als Architekt begann, sich im Alter von 50 Jahren jedoch von Bauaufträgen abwandte, um sich ausschließlich dem Medium der Skulptur zu widmen. Ausdiesem Anlass erinnert die Kunsthalle Bielefeld in einer umfangreichen Retrospektive an diesen Künstler, dessen Töchter Kiki Smith und Seton Smith ebenfalls künstlerisch tätig sind und in ihren Werken subtile Verbindungen zum Werk des Vaters zeigen. Insgesamt werden 120 Arbeiten gezeigt. Von 1961 bis zu seinem Tod 1980 entstand ein umfangreiches Werk von Skulpturen, für das Tony Smith heute berühmt ist. Zeit seines Lebens war er zudem als Maler tätig. Er schuf in der Tradition gegenstandsloser Malerei Gemälde, die in Europa wenig bekannt sind, wenngleich die Louisenberg-Serie in den Jahren von 1954 bis 1956 sogar in Deutschland entstand. Die entscheidende avantgardistische Leistung war die Herstellung des ersten reinen Kubus der Kunstgeschichte im Jahr 1962 aus geschweißten Eisenblechen mit dem Kantenmaß 6 x 6 x 6 Fuß. In einem Gespräch mit Robert Morris erklärt Tony Smith die Problematik der abstrakten Skulptur, die für ihn im Wesentlichen ein Problem des Maßstabs und der Proportion ist. Auf die Frage, warum er den Kubus mit dem Titel „Die“ nicht kleiner oder größer gemacht habe, antwortete er, er habe „weder ein Objekt noch ein Monument machen wollen.“ Ausgehend von geometrisch-kristallinen Grundformen entwickelte Smith ein Formenvokabular, aus dem Serien von Großskulpturen hervorgingen. Es gibt die „objekthaften“ Skulpturen aus Pappe, aus schwarz gefasstem Holz oder in Bronze ausgeführt, die ihm als Modell für „monumentale“ Außenskulpturen dienten und die bis heute in den USA verwirklicht werden. Erstmals in Europa wird in Bielefeld das architektonische Werk aus der Zeit vor 1962 anhand von Zeichnungen und Modellen aus dem Nachlass gezeigt. Tony Smith hat nach 1941 hauptsächlich Häuser für private Auftraggeber in der Tradition von Landhäusern in New England entworfen, die den Einfluss von Frank Lloyd Wright zeigen, dessen Assistent Tony Smith von 1938 bis 1939 war. Die privaten Häuser bezeugen einen Modernismus in der Architektur, der außer zu Wright Bezüge zum Glashaus von Philip Johnson in New Canaan (1949) und dem Farnsworth Haus (1951) von Mies van der Rohe in Plano, Illinois aufweist. Damit ist die von Philip Johnson in den 1960er-Jahren entworfene Kunsthalle Bielefeld ein besonders geeignetes Museumsgebäude, um das Werk von Tony Smith zu präsentieren. Kiki Smith (geb. 1954) wurde bereits in den frühen 1980er-Jahren durch ihre Ausstellungen in New York bekannt, in denen sie sich in radikaler Weise mit dem menschlichen, meist weiblichen Körper und den Möglichkeiten seiner Darstellbarkeit beschäftigte. Ihre Arbeiten wurden seit Beginn der 1990er-Jahre zunehmend narrativer dadurch, dass sie in ihren Skulpturen Anleihen an mythologische und biblische Figuren macht. Smith arbeitet in verschiedenen Disziplinen, u.a. Skulptur, Glasmalerei, Druck, Fotografie und Tapisserie. Die Ausstellung stellt drei Bronze- bzw. Aluminium-Skulpturen vor, einen dreiteiligen Gobelin sowie Zeichnungen auf Glas, die in den Mayerhof’schen Werkstätten in München hergestellt werden. Seton Smith (geb. 1955) bezieht sich unmittelbarer auf das Werk ihres Vaters. Sie begann sehr früh, die Architektur ihres Vaters zu fotografieren, woraus die Leitmotive von Häusern, Korridoren, Fenstern entstanden. Im Unterschied zur in Deutschland bekannten „Becher-Schule“ ist ihre durch Unschärfe-Momente gekennzeichnete Fotografie mehr in der Tradition des amerikanischen Piktoralismus zu sehen. Ihre neuesten Fotografien sind schwarz-weiße Landschaftsdarstellungen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text von Gregor Stemmrich zum Gesamtwerk von Tony Smith, einem Text von Doris von Draten zum Werk von Seton Smith, einem Text von Christina Lehnert zum Werk von Kiki Smith sowie einem Text von Friedrich Meschede zur Entwicklung öffentlicher Skulptur in den 1960er-Jahren in Amerika im Kerber Verlag (Museumspreis: 27 Euro). Gefördert von der Kunststiftung NRW.
 

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