Nagel Draxler

Anna Fasshauer

09 Nov 2013 - 11 Jan 2014

© Anna Fasshauer
“Auf links”, 2013
Installationsansicht
Reisebürogalerie, Köln
Photo: Simon Vogel
ANNA FASSHAUER
Auf links
9 November 2013 - 11 January 2014

Meine Arbeiten in dieser Ausstellung sind so entstanden, wie ich es bei Komponisten sehr gut beschrieben finde. Sie sind z.B., mit Wolfgang Rihms Worten, “im Entstehen entstanden”. Oder mit Eggebrechts Worten, sie sind “geschehen”. Dabei hatte ich vorher nur im Sinn, mit einem bestimmten Material etwas zu machen, was man sonst nicht macht und dieses Machen so weit zu treiben, dass das aus dem Material Entstandende eine eigenständige Gültigkeit erhält.

Lexikon:
- auf der Innenseite, auf der linken Seite, auf der Rückseite, auf der Unterseite, das Andere
- jemanden [auf] links drehen (salopp; jemanden gründlich prüfen, ausfragen o. Ä.)

Links ist ganz im Allgemeinen der Raum für alle Künstler. Damit meine ich nicht politisch links, sondern einfach die andere Sichtweise, das Gegenteil, das Unsichtbare, etc...
Am besten nähert man sich dem Thema, wenn man nach weiteren Verwendungen der Worte links und rechts in unserem Sprachgebrauch sucht. Da fällt einem auf, das etwas rechtens ist, man recht haben kann, jemand das Herz am rechten Fleck trägt, Rechtsanwälte uns vor Gericht vertreten, wir in einem Rechtsstaat leben und schon in der Grundschule Rechtschreibung lernen und im Mathe-Unterricht von rechten Winkeln hören. Hingegen ist ein hinterhältiger Mensch linkisch oder link und unfähige Leute haben gleich zwei linke Hände. Das Wort rechts scheint durchweg für das Gute, Wahre und Richtige zu stehen, das Linke hingegen für das Falsche und Unehrenhafte.

Und das funktioniert auch wunderbar in unseren Nachbarländern. Right im englischen bedeutet zu gleich rechts und „Das Recht“, man kann recht haben (to be right) und all right bedeutet, das alles bester Ordnung sind. Ähnlich verhält es sich im französischen (a droit = rechts, le droit = das Recht) und im Spanischen (derecho = rechts, el derecho = das Recht). Der franzöische Begriff gauche (links) hingegen, bedeutet sowohl im englischen als auch französischen linkisch, hinterhältig.
Schon bei den Römern wurden die beiden Seiten unterschiedlich bewertet – damals war allerdings zunächst die Linke Seite die Glück bringende. Erst später übernahm man von den Griechen die Anschauung, dass die rechte Seite für das Positive steht, links hingegen für das Negative. Man findet diese Unterteilung an vielen Stellen wieder. In der christlichen Malerei sitzen so z.B. immer die Guten auf der rechten Seite vom Heiligen Geist, Sünder sitzen hingegen links. Und auch wenn es sich inzwischen gewandelt hat: auf Hochzeitsfotos stand die Frau traditionellerweise rechts vom Mann – auf seiner guten bzw. als seine “gute Seite.”

Für Ihre Skulpturen und Installationen verwendet Anna Fasshauer eine Vielzahl unter-schiedlicher Materialien, die sie zu überraschenden Konstellationen zusammenfügt und formt. Es interessiert sie das Zusammenspiel von Erscheinungsformen, die gewöhnlicherweise auseindergehalten werden.

Die visuellen Synthesen in Fasshauers künstlerisch-abstrakten Kompositionen bringen in verborgene Verbindungen und Beziehungen in Formen und Materialien zum Vorschein. Herrschende Konzepte von Dualität und Dichotomie werden so in Frage gestellt und der Blick geöffnet für eine produktive Auseinandersetzung mit den Phänomenen von Dissonanz und Heterogenität.

Anna Fasshauer lebt und arbeitet in Berlin.
 

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