Nagel Draxler

Lone Haugaard Madsen

04 Feb - 12 Mar 2014

© Lone Haugaard Madsen
“Raum#323-Ulm”, 2014
Installationsansicht
Galerie Nagel Draxler, Berlin
Photo: Simon Vogel
LONE HAUGAARD MADSEN
Raum#323-Ulm
4 February - 12 March 2014

Wenn ich vermeide ich zu sagen bedeutet das, dass du hier keine Rolle spielst und wenn ich dich anfasse, dann spüre ich meine Hände. Ich nehme dich und tanze dich in unbestimmten Bewegungen gegen die Wand, ich treibe dich in die Ecke, ich zertrete dich am Boden. Ich quetsche dich durch Löcher, Ritzen, usw. Zwischen den Fingern wirst du Teig und Wachs und warm und flüssig und rinnst durch Ritzen meiner Hände, spritzt in Richtungen. Wir wollen uns alle an meinen Händen fassen und unseren Tanz Ding werden lassen. Ihn übergießen mit kochendem Wachs und später staunen über Spuren als Beweis, dass hier nichts verborgen bleibt.
(-.-.)

Lone Haugaard Madsen kommt ursprünglich “vom Konzept”. Ihre frühen Arbeiten waren theoretisch und konzeptuell in einer Arbeitsweise zusammengezogen, die fast keine Produktion mehr möglich erscheinen ließ. So minimal die Gesten, so unmöglich der Umgang mit Material. Dies ist der Ausgangspunkt, von dem Haugaard Madsen sich im Laufe ihrer Arbeit fortwährend wegbewegt und zwar in Richtung einer zum Material hin offenen Form von Abstraktion.

Was geschieht, wenn vom “Konzeptuellen” abstrahiert wird, ist etwas ganz anderes, als wenn vom Gegenständlichen abstrahiert wird. Bei Letzterem lösen sich semantisch bildliche Bedeutungen auf und verwandeln sich referenziell in Form und Farbe. Das Abstrahieren vom “Konzeptuellen” aber besteht darin, experimentell entworfene Denkweisen aufzulösen oder besser: sie auflösen zu lassen. Das Denken selbst löst sich auf oder wechselt das Subjekt: von der Künstlerin zum Material. Es wird damit zum ästhetischen Denken1. Der Wille zur Abstraktion ist in dieser Arbeit nicht gegen das Material gerichtet, sondern macht es möglich. Das Denken wird im Zuge seiner Auflösung nicht nihiliert, sondern vorausgesetzt.

Am Anfang von Lone Haugaard Madsens künstlerischem Arbeiten steht auch die Frage: “Was ist eine Künstlerin?”. Sie ist in diesem Sinne eine Künstler Künstlerin, die sich allerdings nicht, wie für diesen Typus verbreitet, primär auf die gesellschaftlichen Implikationen des Felds der Kunst bezieht, als vielmehr auf das eigene Umfeld der Produktion: das Atelier. Streng geht sie danach vor, was sich dort zusammenträgt: Materialreste, Abfall, Raumsituationen. Im neuen Atelier steht zufällig eine Holzwerkbank. Sie wildert in den Abfällen von Künstlerkolleginnen, Fabriken, Baustellen, Theatern und lässt sich dabei leiten von der “Überzeugungskraft” der jeweiligen Fund- und Bruchstücke, die sie sachte bearbeitet und zu Ensemblen zusammenfügt.

Lone Haugaard Madsens Leinwände sind nicht in erster Linie Malerei, vielmehr fungieren sie als Hintergrund, als Teil/Objekt einer Installation und sind ihr sogar austauschbar. Beim Bearbeiten geht sie pragmatisch vor. Die Farbe wird mit Lappen eingerieben. Sobald eine Farbe ausgeht, malt sie mit einer anderen weiter oder hört eben auf.

1 vgl. Christoph Menke: Die Kraft der Kunst, stw Suhrkamp, Berlin 2013.
 

Tags: Lone Haugaard Madsen