Skulptur Projekte Münster

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SKULPTUR PROJEKTE MÜNSTER 1987

14 Jun - 04 Oct 1987

Richard Deacon
Like a Snail (A), 1987
Hartfaser, Holz, verzinkter Stahl
560 x 680 x 520 cm
2ND SKULPTUR PROJEKTE MÜNSTER 1987
14 June – 4 October 1987

Concept and Exhibition Management: Klaus Bußmann and Kasper König

Dennis Adams, Carl Andre, Giovanni Anselmo, Siah Armajani, Richard Artschwager, Michael Asher, Stephan Balkenhol, Lothar Baumgarten ,Joseph Beuys, George Brecht, Daniel Buren, Scott Burton, EduardoChillida, Thierry de Cordier, Richard Deacon, Luciano Fabro, Robert Filliou, Ian H. Finlay, Peter Fischli / David Weiss, Katharina Fritsch, IsaGenzken, Ludger Gerdes, Dan Graham, Rodney Graham, Hans Haacke ,Keith Haring, Ernst Hermanns, Georg Herold, Jenny Holzer, Rebecca Horn, Shirazeh Houshiary, Thomas Huber, Donald Judd, Hubert Kiecol, Per Kirkeby, Harald Klingelhöller, Jeff Koons, Raimund Kummer, Ange Leccia, Sol LeWitt, Mario Merz, Olaf Metzel, François Morellet, Reinhard Mucha, Matt Mullican, Bruce Nauman, Maria Nordman, Claes Oldenburg, Nam June Paik, A. R. Penck, Guiseppe Penone, Hermann Pitz, Fritz Rahmann, Ulrich Rückriem, Reiner Ruthenbeck, Thomas Schütte, Richard Serra ,Susana Solano, Ettore Spalletti, Thomas Struth, Richard Tuttle, FranzWest, Rémy Zaugg

"Skulptur Projekte in Münster 1987" ist eine Veranstaltung, der den Namen "Ausstellung" zu geben schwerfällt. Sie ist eher zu beschreiben als ein Arbeitsprozeß, dessen erste Resultate in diesem Handbuch vorgestellt werden. Über sechzig Künstler sind in den letzten zweieinhalb Jahren eingeladen worden, nach Münster zu kommen, um die Stadt kennenzulernen und Vorschläge für künstlerische Interventionen zu erarbeiten, wenn ihnen nach dem Besuch noch der Sinn danach stand. Die Reaktion der Künstler auf das Angebot, einmal frei von Auftragsvorgaben und Sachzwängen (die gutgemeinte Erfindung "Kunst am Bau" sollte endgültig, der Kunst zuliebe, beerdigt werden) Art und Ort ihres künstlerischen Eingriffs selbst bestimmen zu können, war sehr positiv, ihr Engagement ging weit über das hinaus, was wir als Veranstalter glaubten, ihnen zumuten zu dürfen. Bis auf drei Ausnahmen, - Walter de Maria, Richard Long und Jean Pierre Raynaud, die aus Gründen, die wir respektieren müssen, ihre Teilnahme verweigerten -, haben alle Künstler ihre Vorschläge erarbeitet, zum Teil mehrere und nach langwierigen Diskussionen mit den beteiligten Stellen in der Stadt. In der Regel übrigens ohne eine Auftragserwartung oder eine Zusage, die finanziell lukrativ sein könnte, das Honorar für die Teilnahme ist lächerlich gering. Zustimmend war nicht nur die Reaktion der Künstler auf die Einladung und die damit verbundene Herausforderung, sondern auch auf die Stadt, die, zumindest in Deutschland, als konservativ bis reaktionär verschrieen ist. Überraschend für uns als Veranstalter war die Bereitschaft der Künstler, keine fertigen Konzepte einzureichen, gewissermaßen ihre Visitenkarte zu hinterlassen, Sendern in einen fruchtbaren Dialog mit der Stadt einzutreten. Einen Dialog, den die Künstler, bei aller kritischen Distanz - als Angebot einer Hilfestellung verstanden, wie es Joseph Beuys bei seinem letzten Besuch in Münster, kurz vor seinem Tod, formulierte: "Was können wir (die Künstler) für die Stadt und ihre Bevölkerung tun?"
Die Erfahrungen der Ausstellung "Skulptur 77" vor zehn Jahren waren die Voraussetzungen für das diesjährige Unternehmen. Damals wurden, nach einer weit ausholenden Übersicht über die Entwicklung der Modernen Skulptur seit Rodin und dem frühen Picasso, neben der Präsentation wichtiger Künstler der "autonomen" Skulptur der sechziger und siebziger Jahre, zehn Künstler gebeten, für den sogenannten Projektbereich Vorschläge zu erarbeiten. Die weitgehende Realisierung dieser Vorschläge u.a. von Ulrich Rückriem, Joseph Beuys, Richard Long, Carl Andre, Claes Oldenburg, Richard Serra, Donald Judd und Michael Asher, und der Ankauf einiger Arbeiten durch die Stadt Münster waren ein wichtiger Vertrauenskredit für die Vorbereitung der jetzigen Ausstellung, beider es nicht darum geht, die »Bilanz« der letzten zehn Jahre zu ziehen, sondern einen Ansatz fortzusetzen, der damals neu und, wie wir meinen, zukunftsweisend war.
Die gemeinsamen Anstrengungen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der Stadt Münster und des Landes Nordrhein-Westfalen haben die finanziellen Grundlagen für die Ausstellung gelegt. Wenngleich wir glauben, daß die Erfahrungen, die hier gemacht werden, für die Region und darüber hinaus nützlich sind, geht es natürlich vor allem um die Stadt Münster. Sie ist Gegenstand des Interesses der Künstler, mit ihrer Architektur, ihren Straßen und Plätzen, ihren Grünanlagen, aber auch ihrer Geschichte, ihrer sozialen Struktur, die für deutsche Verhältnisse ganz ungewöhnlich ist, und auch den Klischees, mit denen sie in der öffentlichen Meinung behaftet ist. Die genaue Kenntnis des Ortes ist freilich auch für den Besucher der Ausstellung wichtige Voraussetzung zum Verständnis der Projekte (für Auswärtige sicherlich ein umständliches Unterfangen).
Die Genauigkeit, mit der die Künstler sich auf eine gegebene Situation bezogen, unterscheidet diese Veranstaltung von anderen Skulpturenausstellungen. Auch der Gattungsbegriff wurde nicht eng gefaßt: neben Vertretern der (beinahe) Klassischen Moderne wie Eduardo Chillida finden sich junge Künstler, die bisher kaum Gelegenheit hatten, öffentliche Arbeiten auszuführen; neben Vertretern der fast noch autonomen Skulptur wie Richard Deacon, arbeiten Fotografen wie Thomas Struth. Die Grenzziehung zu Design und Architektur wird in Frage gestellt durch die Beiträge von Scott Burton und Siah Armajani, aber ebenso von Franz West. Probleme der Landschaftsgestaltung und Stadtplanung werden durch die Arbeiten von François Morellet, Susana Solano, Fischli/Weiss, Remy Zaugg u. a. ausgesprochen. Der geplante Beitrag von Joseph Beuys hätte, in Nachfolge seines Kasseler Projektes der "7000 Eichen", eine sehr weitgehende ökologische Position zur Geltung gebracht. Aber auch der traditionelle Denkmalsbegriff wird bei einer Reihe von Vorschlägen neu diskutiert, bei Ian Hamilton Finlays "Epitaph" für Annette von Droste-Hülshoff, bei Thomas Schüttes Kirschenmonument und Richard Artschwagers Fahrradständerdenkmal - nicht zu vergessen Reiner Ruthenbecks ironisch-verspielter Beitrag zur "Fußgängerstadt" Münster.
"Kunst im öffentlichen Raum" oder "site specific sculpture" sollte eigentlich eine weitgehende Beteiligung öffentlicher Gremien voraussetzen. Doch es ist jedem Kenner der Kunstszene klar, daß eine solche Veranstaltung nicht das Ergebnis von langwierigen Diskussionen im Stadtrat sein kann. Der Kompromiß, der in Münster gefunden wurde, scheint uns beispielhaft zu sein: In einem Vertrag zwischen Veranstaltern und Trägern wurde festgelegt, daß die Veranstalter die künstlerische Verantwortung allein zu tragen haben, die Träger aber die notwendige technische, organisatorische und finanzielle Hilfe zu leisten haben. In einem Arbeitsausschuß mit Vertretern der städtischen Ämter, der Regierung, der Universität und des Landschaftsverbandes, der einmal im Monat tagte, wurden alle rechtlichen und technischen Probleme diskutiert (und auch meist gelöst), ein Beirat besorgte die Kontrolle des Ganzen. Beiden Gremien gebührt unser herzlicher Dank.
Nicht unwesentlich ist der technische Aspekt der Realisierung: Der insgesamt doch sehr weitgehenden und produktiven Unterstützung durch die Behörden stand häufig eine relative Unerfahrenheit der Künstler gegenüber, was die Realisierbarkeit ihrer Vorschläge anging, und was im übrigen die Mannschaft, die die Ausführung zu betreuen hatte, vor weitreichende Probleme stellte - welcher junge Kunsthistoriker lernt an der Universität, wie eine Baustelle zu organisieren ist?
Die Probleme der Realisierung sind nicht zu trennen von den finanziellen, die diese Ausstellung aufwirft: ursprünglich waren etwa 15.000 DM für die Herstellung der einzelnen Arbeit angesetzt worden (für eine freilich geringere Anzahl von teilnehmenden Künstlern), eine Summe, die für viele Projekte ausreichte, die aber bei anderen, uns äußerst wichtig erscheinenden Projekten weit überschritten wurde. Ohne das Engagement der Künstler selbst, ihrer Galeristen, aber auch verschiedener Ministerien, Banken, Firmen und Privater, hätten wichtige Beiträge zu dieser Ausstellung nicht realisiert werden können. Sponsoren in Westfalen zu finden, ist nicht leicht (Westfalia non cantat), in Münster fast unmöglich, so blieb uns nichts anderes übrig, als uns an große internationale Firmen zu wenden, - ihnen allen gilt unser verbindlicher Dank. Unser Dank gilt ebenso den Handwerkern des Museums, die mit ihrer Sachkenntnis und ihrem Erfindungsreichtum Dinge realisierten, die wir sonst teuer hätten bezahlen müssen. Ohne die Hilfe der Mitarbeiter des Museums, im besonderen der Volontäre Edith Decker, Friedrich Meschede und Ulrich Wilmes, des Sekretariats mit Petra Haufschild und Barbara Manna und des Museumsfotografen Rudolf Wakonigg, wäre die Fertigstellung von Ausstellung und Katalog nicht möglich gewesen. An dieser Stelle möchten wir ebensowenig den großen Einsatz der Kleins Druck- und Verlagsanstalt, Lengerich, unerwähnt lassen, die sämtliche Druckerzeugnisse zu dieser Ausstellung herstellte, deren unverwechselbares Erscheinungsbild Christian-Philipp Müller prägte. Ihnen allen, wie auch den vielen münsterschen Firmen, die mit großem Eifer sich für die Realisierung der Projekte einsetzten, möchten wir aufrichtig danken.
Dank gebührt nicht zuletzt der Landesbildstelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, die mit einem Team von qualifizierten Pädagogen das äußerst schwierige Unterfangen der Vermittlung zwischen dem Betrachter und einer Kunst betreiben wird, zu der der Zugang nicht leicht und selbstverständlich ist.

Klaus Bußmann / Kasper König
 

Tags: Dennis Adams, Carl Andre, Giovanni Anselmo, Siah Armajani, Richard Artschwager, Stephan Balkenhol, Lothar Baumgarten, Joseph Beuys, George Brecht, Daniel Buren, Scott Burton, Eduardo Chillida, Thierry De Cordier, Richard Deacon, Luciano Fabro, Robert Filliou, Katharina Fritsch, Rodney Graham, Dan Graham, Hans Haacke, Keith Haring, Georg Herold, Jenny Holzer, Rebecca Horn, Shirazeh Houshiary, Thomas Huber, Donald Judd, Hubert Kiecol, Per Kirkeby, Harald Klingelhöller, Kasper König, Jeff Koons, Ange Leccia, Sol LeWitt, Richard Long, Walter de Maria, Mario Merz, Olaf Metzel, François Morellet, Reinhard Mucha, Christian Philipp Müller, Matt Mullican, Bruce Nauman, Maria Nordman, Claes Oldenburg, Nam June Paik, A. R. Penck, Hermann Pitz, Jean-Pierre Raynaud, Ulrich Rückriem, Reiner Ruthenbeck, Thomas Schütte, Richard Serra, Susana Solano, Ettore Spalletti, Thomas Struth, Richard Tuttle, Fischli & Weiss, Franz West, Rémy Zaugg